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Orchester begeistert die Passauer

07.07.2012

Konzert im Passauer Dom Die Pforte zur Ewigkeit steht offen

Klaus Maria Brandauer kommt. Nina Hagen kommt. Das Gärtnerplatztheater gibt eine "Nacht voll Seligkeit" mit Operettenmelodien. Und am meisten und am schnellsten begeistert sich das Publikum von Anfang an wofür?

Für Anton Bruckners todernste 7. Sinfonie, gespielt vom Linzer Bruckner Orchester, im Passauer Stephansdom. Sakrale Ehrfurcht liegt in der schwülen Luft, als Dennis Russell Davies, wie üblich ganz in Schwarz, vor 789 zahlenden Zuhörern ans Pult im Altarraum tritt und den Taktstock hebt zu einem der melodiös berührendsten und gestisch feierlichsten Kopfsätze der sinfonischen Musik.

Das akribisch arbeitende Bruckner Orchester gibt der Siebten jene Schönheit und nahezu filmmusikalische Plastizität, die den Hörer je nach Veranlagung in eine Höhe, Weite oder Tiefe zieht, die schwindelig macht. Doch gelingt den Musikern hier Erstaunliches: Davies setzt dem romantischen Mystizismus und dem kulturellen Wissen um die Entstehung des zweiten Satzes als Trauermusik für Richard Wagner und um dessen politische Instrumentalisierung bei der Ausstrahlung im Reichsrundfunk nach Hitlers Tod dezidiert seine besonnene Kühle entgegen. Zum Wohle der Komposition und zum Wohle der Zuhörer in der erstaunlich trennscharfen, aber eben doch weichzeichnenden Akustik des Domes.

In dieser Interpretation walten keine obskuren Schicksalsmächte, es herrscht menschliche Strenge, selbst in den zum Größenwahn neigenden Blechbläsergebirgen des Finales, die Davies nüchtern mit erhobener Faust durchlenkt. Das Scherzo des dritten Satzes färbt er gebieterisch, nicht aber dämonisch wie voreilig im Programmheft steht, dessen Text mit kosmetischen Abwandlungen aus einem Lexikon übernommen wurde. Zitieren aus Wikipedia ist übrigens längst keine Schande mehr, Kopieren ohne Quellenangabe hingegen schon.

Mit demselben Ernst nehmen Davies und seine Musiker die tänzerischen, leichten Elemente der Komposition auf und gewinnen Bruckner alles an Zärtlichkeit ab, was eben auch in dieser Musik wohnt. Und als das Adagio nach einer Ewigkeit dunkler Modulationen sich ins erlsende C-Dur ergießt, braucht Davies nicht einmal einen Beckenschlag, um die Pforte zur Ewigkeit zu öffnen. Ein großer Abend für die Festspiele, ein etwas ehrfürchtig klein geratener Applaus. 

Passauer Neue Presse, Raimund Meisenberger, 7.7.2012.



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